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Axel Springer-Aktie: Risiken beschleunigter Auflagenrückgänge im Print-Geschäft


07.05.2012
Warburg Research

Hamburg (www.aktiencheck.de) - Jochen Reichert, Analyst von Warburg Research vergibt für die Axel Springer-Aktie (ISIN DE0005501357 / WKN 550135) weiterhin das Votum "halten".

Der Axel Springer (AS) Investment Case lasse sich wie folgt zusammenfassen:

- Im klassischen Print-Geschäft Deutschland (Zeitungen und Zeitschriften) habe Axel Springer über die Marke "BILD" eine dominierende und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern herausragende Marktstellung. In der Kombination aus einer im Zeitverlauf stetigen Preiserhöhungsstrategie, rigides Kostenmanagement und einer vergleichsweise robusten Nachfrage nach Zeitungen und Zeitschriften könnten die Erträge, hohen Returns sowie attraktiven Cash Flows im Zeitverlauf konstant gehalten werden.

- Axel Springer habe die Marktstellung bei Print erfolgreich auf das Internet übertragen können und gehöre bei den Themen News, Sport, Auto, Computer und TV zu den führenden Portalbetreibern in Deutschland. Zusätzlich seien weitere Internet-Portale (z.B. aufeminin, Lifestyle) erworben worden.

- Zusätzlich zu den klassischen Medienaktivitäten investiere Axel Springer in Internetgeschäftsmodelle in den Bereichen Online-Performance-Marketing (Zanox-Gruppe, Marktführer in Europa), Online-Marktplätze (z.B. SeLoger, Immobilien; Stepstone, Jobplattform). Die Strategie habe in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzt werden können: hohe Bilanzqualität, hohe FCF sowie stetiges Wachstum von Umsatz sowie Ergebnis. Zusätzlich würden inzwischen mehr als 30% der Erlöse im Internet generiert.


In Q1/2012 habe sich nun der Rückgang bei Print bei den Flagschiffzeitungen "BILD" und "BILD" am Sonntag beschleunigt. In der Vergangenheit habe der Rückgang bei rund 4% p.a. gelegen (CAGR 05-11). In Q1/2012 dagegen seien die Absatzzahlen von "BILD" um 6,4% auf 2,671 Mio. zurückgegangen. Ohne Berücksichtigung von den durchgeführten Preiserhöhungen dürfte der Verkaufsrückgang mit einem Umsatzrückgang aus den Abverkäufen der "BILD" pro Quartal von EUR 7 Mio. bzw. von EUR 28 Mio. pro Jahr einhergehen.

Werde nun zusätzlich berücksichtigt, dass die Zeitungswerbeerlöse strukturell rückläufig seien, könnte sich allein aus der Bildzeitung ein negativer Umsatzeffekt von mehr als EUR 35 Mio. ergeben - unterstellt, dass der Absatzrückgang auf dem aktuellen Niveau verharre. Zudem seien die Rückgänge auch bei weiteren Zeitungen auf hohem Level: "BILD" am Sonntag: -10%; Hamburger Abendblatt: -4,4%, Berliner Morgenpost: -2,0%. Dagegen zeige sich "DIE WELT" mit -0,1% robust. Bisher seien in den Prognosen ein Umsatzrückgang PRINT Deutschland von -1,3% in 2012e und -1,5% in 2013e berücksichtigt (aufgrund der positiven Effekte durch erwartete und bereits durchgeführte Preiserhöhungen).

Dagegen habe allein BILD.de die visits im März 2012 yoy um +12% auf 218 Mio. steigern können. Da jedoch die wesentlichen Umsatzquellen der Portale Werbeerlöse seien und diese im Vergleich zu traditionellen Print-Werbeerlöse pro Anzeige deutlich geringer seien, sei davon auszugehen, dass die stark steigenden Portalumsätze die Rückgänge bei Print nicht kompensieren könnten. Organisch dürfte das derzeitige Internet-Geschäft von Axel Springer mit mehr als 15% p.a. wachsen.

Strukturell lasse sich nicht seriös vorhersagen, mit welcher Rate die Print-Abverkäufe weiter zurückgehen würden. Sollte jedoch die Fallrate bei den Flagschiff-Zeitungen auf dem aktuellen Niveau verharren, dürfte zwar das Internet-Wachstum größer als der Rückgang bei Print sein. Da aber bei einigen Internet-Assets die Beteiligung zwischen mehr als 50% und weniger als 100% sei, könnte die Nettogewinn-Ebene für eine gewisse Zeit kaum Wachstum aufzeigen.

Die hier geführte Diskussion zeige, warum in 2012e mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Internet-Akquisitionen folgen würden: Um die Abhängigkeit vom deutschen Print-Geschäft weiter rasch zu reduzieren. Mit einem PER 12e von 13,6, einem begrenzten Upside (Kursziel EUR 41) sowie den strukturellen Risiken scheine die Aktie derzeit fair bewertet.

Die Analysten von Warburg Research bewerten die Axel Springer-Aktie weiterhin mit dem Rating "halten". (Analyse vom 07.05.2012) (07.05.2012/ac/a/d)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen oder ein mit ihm verbundenes Unternehmen handeln regelmäßig in Aktien des analysierten Unternehmens. Weitere möglichen Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.




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